Malaysia – Singapur – Hongkong: Digitalisierung in Asien

Delegationsreise Asien: Digitalisierung

von Ulf-Daniel Ehlers, Vizepräsident Duale Hochschule Baden-Württemberg

Vom 17.April bis zum 24. April unternimmt das Hochschulforum Digitalisierung der HRK und des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft eine Delegationsreise nach Asien, um dort den Stand der Digitalisierung an den Hochschulen zu erkunden und im Rahmen dessen Analyse, Benchmarking und Vernetzung zu intensivieren.

Die Delegation besteht aus 16 Personen, die alle im Rahmen von Hochschulleitung, high level politischen Organisationen (BMBF, DAAD) oder Expert/innen im Bereich der Digitalisierung von Hochschule sind.

Die Delegationsreise beginnt in Malaysia, geht weiter nach Singapur und endet in Hongkong. Es werden jeweils sowohl private als auch staatliche Hochschulen besucht, die jeweiligen nationalen Bildungsministerien und teilweise Förderorganisationen (Hongkong, University Grant Commission). In den Hochschulen werden sowohl Gespräche mit Hochschulleitungen als auch mit den dortigen ho hochschuldidaktischen Einrichtungen, wie bspw. Center for Teaching and Learning geführt.

Im Fazit ist festzuhalten, dass die Digitalisierung im Bereich der Hochschulen in den drei besuchten asiatischen Ländern insgesamt weit fortgeschritten ist und sich auf einem sehr hohen Level befindet, der vielfach über das Niveau in Deutschland hinaus geht, jedoch qualitativ anders zu bewerten ist, da vielfach bspw. keine starke Verzahnung mit Lehrforschung stattgefunden hat.

Deutlich wird auch, dass vielfach Top-Down Strategien dominieren, die zwar differenziert ausgearbeitet sind und auch zu durchaus kreativen Umsetzungsprozessen führen, sich jedoch deutlich von dezentralen und durch Hochschulautonomie geprägten Hochschulentwicklungsprozessen in Deutschland unterscheiden.

In Malaysia (siehe Bild: Blueprint) und Singapur gehen die Vorstellungen über die in Deutschland existierenden Zielsetzungen hinaus, mit KPIs wie bspw. 30% Digitalisierung aller Lehrveranstaltungen oder Zielen von 100% aller Module als Blended Learning.

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In allen drei Ländern wird die Umwandlung der Hochschullehre intensiv vorangetrieben. Zumeist liegen dabei in Malaysia nationale Strategiepläne, die sich über einen 5 Jahreszeitraum oder 10 Jahreszeitraum (Singapur) zugrunde. In Hongkong gibt es auch hochschulinterne Planvorstellungen.

In Malaysia (Bild: Strategie der University of Technology Malaysia) und in Singapur ist ein deutliches Committment der dortigen Regierungen zu verspüren, welches sowohl durch eigene politische Hochschuldigitalisierungsprogramme als auch teilweise durch massive Finanzmittel (vor allem Singapur) unterlegt ist. Auch in Hongkong ist die Digitalisierung der Hochschulen als Wettbewerbsfaktor deutlich. Alle Hochschulen setzen Programme zur Entwicklung digitaler Kompetenzen der Lehrenden um. Dabei bezieht sich in allen drei Ländern Digitalisierung sehr stark vor allem auf den Bereich der Hochschullehre, Themen wie bspw. Lehrforschung oder auch digitale Forschungsinfrastrukturen wurden bislang nur vereinzelt in den Blick genommen.

 

In den besuchten asiatischen Hochschule dominiert Blended Learning als Konzeption. Insbesondere in Malaysia initiierte die Regierung einen klaren Top-Down Prozess. Die Bemühungen in Malaysia stellen vor allem auf die Umsetzung des nationalen Strategieplans ab (Blue Print), und sind in Hongkong vielfach auch als ganzheitlicher Hochschulentwicklungsprozess angelegt, der auch durch die Professionalisierungsbemühungen des Personals unterstützt wird und neben TopDown Elementen auch Bottom Up Komponenten enthält. Malaysia hatte mit dem „Malaysia Education Blueprint 2015 bis 2025“ eine präzise Vorgabe für die Weiterentwicklung des akademischen Bildungssystems insgesamt formuliert, die „10 Shifts“ beinhaltet. Mit dem Shift 9 „Globalised Online Learning“ ist das Thema Digitalisierung direkt angesprochen. Auch die anderen 9 Shifts lassen sich ohne eine digitale Umgebung nicht denken. Es bleibt aber unklar, ob durch die Regierung entsprechende finanzielle Ressourcen für die notwendigen Lernprozesse und technischen Support zur Verfügung gestellt werden. Folgende Strukturmerkmale können festgehalten werden:

  1. Strategien zur Digitalisierung und Finanzierung

Zwischen den unterschiedlichen Ansätzen der besuchten Länder sind es gerade die Top Down Strategien, die mit klaren KPIs Vorgaben für die Hochschulen mache, die auch kontrolliert werden und mit Resourcenausstattungen verknüpft werden, die einen Unterschied zur deutschen Vorgehensweise darstellen. Die nationalen strategievorgaben sind beeindruckend ausgearbeitet. Trotzdem bleibt ein Zweifel an der Kompatibilität von proklamierter Wissenschaftsfreiheit und individueller und kontextgebundener Profilbildung von Hochschulen und dem einheitlichen dokumentierten Top-Down Vorgehen.

  • Malaysia: Nationaler BluePrint, verbindlich umzusetzen, Regierung formt Committees, um die jeweiligen Ziele mit den Hochschulen abzustimmen.
  • Singapur: Es gibt einen nationalen Strategieplan, der vor allem auch massive Finanzierung unterstützt wird
  • Hongkong: Digitalisierung wird durch die Regierung auch durch Finanzierung unterstützt, jedoch vor allem auch auf Ebene der Hochschulen als profilbildende Maßnahme angesehen und als Bottom Up Prozess vorangetrieben.
  1. Digitalisierung als Wettbewerbsstrategie

Digitalisierung wird auch als Wettbewerbsstrategie angesehen. Beispiele sind vor allem die Taylors University, Malaysia und die University of Technology in Singapur.

  1. Transformationsmodelle

Alle Hochschulen, vor allem in Malaysia und in Singapur weisen sehr ausgeprägte Top-Down Strategien mit klaren Vorgehensmodellen auf. Beispielhaft modelliert die Taylors University ihr Vorgehen bei der Transformation der (privaten) Hochschule durch das „Transformation Concept“. Als Anregung aus den Gespräche können für die deutsche Debatte und Entwicklung der Digitalisierung an Hochschulen folgende Themen benannt werden:

  • BluePrint Malaysia: Die Entwicklung des nationalen Strategieplans hat neben der Top-Down durchgesetzten Strategie an den Hochschulen insgesamt zu sehr klaren Vorgehensmodellen und Digitalisierungsinitiativen in den Hochschule geführt. Die Strategie bietet Rahmenbedingungen, die die Hochschulen mit eigenen Umsetzungsstrategien füllen müssen. Diese sind zwar von einer gewissen Einförmigkeit geprägt, Digitalisierung hat jedoch einen klaren Stellenwert in der Hochschulentwicklung.
  • MOOC Strategie Malaysia
  • Transformation Model Taylor
  • Educational Value Model EPIC – Singapur Uni Technology

About Ulf-Daniel Ehlers

Prof. Dr. phil. habil. Ulf-Daniel Ehlers is Vicepresident for Quality and Academic Affairs at the Baden Wurttemberg-State University in Stuttgart, Germany. He has been appointed Professor for Educational Management and Lifelong Learning at the same university. Before he has held positions as Associate Professor in the University Duisburg-Essen (Germany), Professor for Technology Enhanced Learning in the University Augsburg (Germany) and Associate Professor of the Graduate School for Management and Technology of the University of Maryland University College (USA). Ulf is an educational scientist and holds degrees in English Language, Social Sciences and Educational Sciences from the University of Bielefeld, where he finished his Ph.D. with honors in the field of Technology Enhanced Learning in 2003, and was awarded his habilitation in 2008 from the University of Duisburg-Essen. He has created many international, European and national projects and was involved in founding the European Foundation for Quality in E-Learning, in which he served as Vicepresident and President for several terms. He has also served as President and Vicepresident of the of the largest german speaking e-learning Association, the Society for Media in Science (GMW e.V.) as well as serving on advisory boards to several professional associations in the field. Before his career in academia he has been a successful and award winning entrepreneur in the field of webbased IT Technologies and founder of several companies.
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